Matthias Schütze sitzt an der Nähmaschine und schaut in die Kamera

Menschennah | Geschichten aus Bethel

Vom Azubi zum Ausbilder

„Nähen stand bei mir eigentlich nie auf dem Zettel. Aber dann wurde hier das Feuer in mir geweckt.“ Matthias Schütze schaut auf die Reihen surrender Nähmaschinen, an denen einige Auszubildende konzentriert arbeiten. Es ist noch nicht lange her, dass er selbst an einem dieser Plätze lernte. Mittlerweile hat der 35-Jährige die „Seite gewechselt“ und ist jetzt Ausbilder im Textiltechnik-Bereich des Berufsbildungswerks Bethel (BBW) in Bielefeld.

„Im BBW wurde mir ein Weg gezeigt, an den ich vorher nicht gedacht hätte. Heute kann ich sagen: Ich liebe meinen Job“, sagt Matthias Schütze, bei dem im Alter von 15 Jahren eine Epilepsie diagnostiziert wurde. Ursprünglich ist er gelernter Ergotherapeut, konnte diesen Beruf aufgrund seiner Erkrankung aber nicht mehr ausüben. 

Stichmuster auf einem Stück Stoff.

Seit einer epilepsiechirurgischen Operation in der Klinik Mara in Bethel im Jahr 2015 ist Matthias Schütze weitestgehend anfallsfrei; in seinen alten Beruf zurückkehren wollte er aufgrund der körperlichen Belastung dennoch nicht. 2017 machte er eine Arbeitserprobung im Textiltechnik-Bereich des BBW. „Bereits nach zwei Stunden an der Nähmaschine habe ich festgestellt: Okay, du hast ein neues Hobby. Das hat mir dermaßen Spaß gemacht, dass ich direkt nach einer möglichen Ausbildung gefragt habe.“

Im Dezember 2018 hatte Matthias Schütze seinen Abschluss zum Polster- und Dekorationsnäher in der Tasche. Während dieser Ausbildung absolvierte er verschiedene Praktika, unter anderem bei den Bielefelder Werkstätten, die zum Bielefelder Textilverlag JAB Anstoetz gehören. Dort habe er nach seiner Ausbildung ein Jobangebot bekommen. „Ich bin auch immer noch einmal in der Woche bei Anstoetz tätig. Mittlerweile allerdings nicht mehr als Polster- und Dekorationsnäher, sondern als Schwerbehindertenvertreter“, berichtet er.

»Im BBW wurde mir ein Weg gezeigt, an den ich vorher nicht gedacht hätte. Heute kann ich sagen: Ich liebe meinen Job.«
Matthias Schütze
Matthias Schütze erklärt einer Auszubildenden etwas und hält Garn in der Hand.

Seinen größten beruflichen Wunsch konnte Matthias Schütze aber beim BBW verwirklichen. Weil ihn seine Ausbilder dort nachhaltig beeindruckt hatten, ist er dort seit Oktober 2023 selbst als Ausbilder im Einsatz. „Man hat mir hier in Bethel so oft und viel geholfen in meinem Leben. Darum wollte ich unbedingt auch im sozialen Bereich arbeiten und auf diesem Weg etwas zurückzugeben.“ Etwas zu lehren und dabei auch noch selbst die Tätigkeit ausüben zu können, die er lieben gelernt habe – das mache ihm Riesenspaß. Er wolle nun selbst das Feuer bei den jungen Azubis entfachen.

Auf die Frage, was genau die Ausbildung zum Polster- und Dekorationsnäher beim BBW interessant mache, muss Matthias Schütze nicht lange überlegen: „Allein die unglaubliche Vielfalt an Stoffen, mit denen man arbeitet, ist spannend. Aber auch die vielen Dinge, die man aus ihnen herstellen kann“, antwortet er. Mit Ausnahme von Kleidungsstücken lernten die Auszubildenden alles zu nähen, was man im alltäglichen Leben benötigt, zum Beispiel Polsterbezüge für Kissen, Sofas oder Nackenrollen, aber auch Decken, Vorhänge und Gardinen. Der eigenen Kreativität seien dabei keine Grenzen gesetzt.

Regale mit Garn in verschiedenen Farben
Matthias Schütze hält einen Stoffwürfel in den Armen.

Und was man beruflich lernt, kann man natürlich auch privat nutzen. Er selbst sei da keine Ausnahme. „Vor allem meine Mutter und meine Oma freuen sich über so einiges Genähtes von mir. Meine Oma hat stolz ein Kissen aus meiner Arbeitserprobung auf ihr Sofa dekoriert. ‚Home sweet home‘ steht darauf.“

Text: Gunnar Kreutner | Fotos: Christian Weische

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Matthias Schütze entdeckte seine Leidenschaft für das Nähen im Berufsbildungswerk Bethel (BBW), nachdem er wegen Epilepsie seinen Beruf als Ergotherapeut aufgeben musste. 2018 schloss er eine Ausbildung zum Polster- und Dekorationsnäher ab und arbeitet jetzt als Ausbilder im BBW, um sein Wissen weiterzugeben und anderen zu helfen.

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